DER MALER UND SEIN MODEL
Jules Pascin
WIDIN 1885 - 1930 PARIS
DER MALER UND SEIN MODEL
CA. 1905
AQUARELL AUF PAPIER
SIGNIERT UNTEN RECHTS: „PASCIN“
14,8 X 18,4 CM

In den ungeschminkten Szenen aus dem Nachtleben der Metropolen, deren Intensität und beinahe schamlose Wahrheit Pascin pointiert in einer Vielzahl seiner Werke abbildet, kann der Künstler in einer gewissen Schonungslosigkeit, die noch heute ergreift, ironische aber zutiefst feinfühlige Bilder jener geheimen Welt zeigen.  Die Zartheit seiner zeichnerischen Handschrift ist verquickt mit der schnellen Beobachtung des Simplicissimus-Karikaturisten. Eine scheinbar widersprüchliche, sanfte Farbmodellierung seiner Werke fügt Pascin zu intensiven aber stets objektiven Darstellungen von Milieu und nächtlichen Streifzügen.[1] Nicht die Gruppe oder die Menschenmenge war sein Thema, sondern der einzelne Mensch in all seiner Verletzlichkeit und seinem Widerspruch.


 Unsere kleine Zeichnung braucht nicht viele Linien, denn gekonnt und beinahe skizzenhaft erweckt Pascin mit nur wenigen kraftvollen Konturen die Szenerie zum Leben. Die einzelnen farbigen Akzentuierungen aus Halbtönen sind nur Beiwerk. Sie sollen die Szene in ein milderes Licht setzen. Die beiden Figuren wirken trotz ihrer räumlichen Nähe isoliert und wenig aufeinander bezogen. Beide versinken in ganz eigene Handlungen und Gedanken ohne Interaktion und direkten Blick stärkt dies auch die voyeuristische Komponente, welche sich in vielen Werken Pascins wieder findet.


[1] Diehl, Gaston: Pascin. München 1969. S. 12f.